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Home / Fachabteilungen /  Innere Medizin /  Feline Leukose (FeLV). 29.06.2016

1. Einleitung

Leukosen gehören bei Katzen zu den häufigsten Tumoren.

Bei einer Leukose handelt es sich zunächst ganz allgemein um einen malignen Tumor von Blutzellen. Dabei ist weder eine Aussage zur Ursache gemacht, noch über eine erhöhte Anzahl von Zellen im Blut. Viele Leukoseformen verlaufen nämlich aleukämisch, d.h. ohne eine nachweisbare Vermehrung der Zellen im Blut. Eine Bestimmung der Zellzahl sowie die Erstellung des Differentialblutbildes sind daher oft nicht aussagekräftig.

Die bei weitem häufigste Ursache für leukotische Tumore bei Katzen ist die Infektion mit dem feline Leukämievirus (FeLV). Wie bei allen Spezies gibt es aber auch bei der Katze Leukoseformen, bei denen eine Ursache nicht zu ermitteln ist.

2. Die FeLV-Infektion

Beim felinen Leukämievirus handelt es sich um ein Retrovirus. Die Retroviren wurden nach einem Enzym benannt, der reversen Transkriptase, die einen Einbau des Virusgenoms in die DNS der infizierte Zelle ermöglicht.

Die Übertragung der Infektion kann durch alle Körperexkrete und -sekrete erfolgen. Am häufigsten ist die Infektion durch direkten Kontakt mit dem Speichel infizierter Tiere aber auch indirekt zum Beispiel bei Benutzung derselben Futternäpfe.

Die Empfänglichkeit für das Virus ist bei jungen Katzen unter 16 Wochen hoch und nimmt dann immer mehr ab. Ältere Tiere werden dann kaum noch infiziert, es sei denn der Infektionsdruck ist sehr groß.

Bei den klinischen Symptomen muß zwischen primären und sekundären Veränderungen unterschieden werden. Primär kommt es zu Veränderungen in Organ-systemen, in denen sich das Virus gut vermehrt. Dies äußert sich besonders in Knochenmarksdepressionen und Tumoren des lymphatischen und myeloischen Systems. Bei jungen Katzen treten Fibrosarkome auf, welche durch das feline Sarkomvirus (FeSV), einer Mutante des FeLV, induziert werden. Diese Fibrosarkome wachsen entweder progressiv und letal oder aber bilden sich vollständig nach 2-6 Wochen zurück. Auch neurologische Symptome und Fertilitätsstörungen kommen vor. Im Rahmen einer Immunsuppression kann es später zu einer Vielzahl von Krankheitserscheinungen mit sekundären Infektionen kommen.

Die Diagnose wird meistens mittels eines kommerziell erhältlichen ELISA´s (Enzyme linked immuno sorbent assay) gestellt. Dieser Test weist virales Antigen nach, also direkt ein Virusprotein und nicht nur Antikörper gegen das Virus. Die Sensitivität und Spezifität sind gut, so daß der Test als relativ zuverlässig anzusehen ist. Aus biometrischen Gründen muß jedoch bei einer niedrigen Prävalenz für die FeLV-Infektion auch mit falsch positiven Testergebnissen gerechnet werden. Positive Ergebnisse sollten daher nachgetestet werden. Ein weiterer Grund für das Nachtesten ist, daß die Tiere die Infektion überwinden und wieder negativ werden können. Ein negatives Testergebnis ist als sicher anzusehen, sagt allerdings nur aus, daß sich das Tier zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht in der Phase der Virämie befand.

Es kann im wesentlichen 3 Verlaufsformen bei einer FeLV-Infektion geben. Es wird angenommen, daß in Mitteleuropa zwischen 50-80% der Katzenpopulation in Kontakt mit dem FeLV kommt, von denen sich etwa 70% infizieren. Bei den meisten Tieren mit intaktem Immunsystem kommt es zu einer kurzen virämische Phase, die nach wenigen Tagen beendet ist. Außerdem treten transitorische Virämien auf, die bis zu einigen Monaten andauern können. Tiere mit kurzer oder transitorischer Virämie sind in der Regel stabil immun für den Rest ihres Lebens und nicht mehr in der Lage Virus zu produzieren. Wahrscheinlich wird dies durch Änderungen am Virusgenom im Rahmen der Immunabwehr bewirkt. Eine weitere Möglichkeit ist eine latente Infektion, bei der es immer wieder zu virämischen Phasen bei außergewöhnlicher Belastung, wie zum Beispiel in der Laktation, kommt. Schließlich gibt es die persistierende Virämie mit der Folge FeLV-bedingter Krankheitserscheinungen, die bei 10-30% aller Tiere auftritt. Zu welcher der Verlaufsformen es kommt hängt neben der individuellen Empfänglichkeit und dem Immunstatus auch von der Pathogenität des Virusstammes ab.

Eine Impfung gegen die FeLV-Infektion ist wegen der hohen Empfänglichkeit besonders bei jungen Katzen sinnvoll. Bei älteren Katzen könnte je nach Haltungsform und Exposition von einer Impfung abgesehen werden. Bei dieser Entscheidung spielt sicherlich die Besitzermentalität eine wesentliche Rolle. Es gibt verschiedene Impfstoffe, die mit Erfolg eingesetzt werden. Lebendvakzine sind nicht zu empfehlen, da ein Einbau ins Wirtszellgenom mit der Gefahr der späteren Tumorentwicklung erfolgt. Es haben sich inaktivierte Viren und auch neuerdings rekombinante Proteine des Virus bewährt. Ob vor einer Impfung eine bestehende FeLV-Infektion durch einen Test ausgeschlossen werden sollte, ist nicht pauschal zu beantworten. Hier spielen so verschiedene Aspekte, wie zum Beispiel Herkunft und weiterer Verbleib der Katze oder des ganzen Wurfes, FeLV-Status eines Bestandes, finanzielle Aspekte und auch Einstellung des Besitzers und des Tierarztes eine Rolle.

3. Leukoseformen bei Katzen

Am häufigsten kommt bei Katzen das Lymphosarkom oder besser das maligne Lymphom vor. Bei diesen Tumoren können dann noch verschiedene Differenzierungsgrade unterschieden werden. Nur etwa ein Drittel der malignen Lymphome verlaufen leukämisch, also mit erhöhter Leukozytenzahl im Blut. Es kann sogar im Rahmen einer Knochenmarksdepression zu einer Leukopenie und Anämie kommen, beides häufige Symptome bei einer FeLV-Infektion. Beim sogenannten Mediastinallymphknotensarkom junger Katzen sind über 80% der Tiere FeLV-positiv. Bei der alimentären Form sind neben den Mesenteriallymphknoten auch die lymphatischen Einrichtungen des Magen-Darm-Kanals betroffen. Auch ältere Tiere bis zu 8 Jahre können erkranken, wobei der Anteil der FeLV-positiven Tiere unter 30% liegt. Sind mehr als zwei Lymphknoten vergrößert (4-10fach) spricht man von der multizentrischen Form, bei der die meisten Tiere einen positiven FeLV-Test zeigen.

Von den malignen Lymphomen wird die lymphatische Leukämie abgegrenzt, die eine maligne Proliferation von Knochenmarkszellen bedeutet und die fast immer im peripheren Blut nachweisbar ist. Diese Form ist ebenfalls meistens FeLV-induziert.

Relativ selten sind Tumore des Thymusgewebes. Gemäß dem Aufbau als lympho-epitheliales Organ, kann sowohl die epitheliale als auch die lymphatische Komponente entarten. Obwohl nur in der Jugend voll ausgebildet, treten benigne Thymome vorwiegend bei älteren Tieren auf. Im Gegensatz zum Thymom ist das maligne Thymuslymphom FeLV-bedingt und tritt bei Katzen unter 2 Jahren auf. Wegen seiner Lage ist ein Thymom nur mikroskopisch vom Mediastinallymphknotensarkom zu unterscheiden. Auch Tumore enddifferenzierter B-Lymphozyten, also der Plasmazellen, sind selten. Sind nur einzelne Organe betroffen spricht man vom Plasmozytom. Es sei erwähnt, daß natürlich alle Zellinien des hämatopoetischen Systems tumorös entarten können; die hier nicht aufgeführten Formen treten jedoch äußerst selten auf. Mastzelltumore sollen noch erwähnt werden, wobei kutane und viszerale Formen zu unterscheiden sind. Mastzellen sind bei Katzen in großer Zahl besonders in Haut und Darm vorhanden, Tumore sind selten. Im Unterschied zum Hund sind solitäre, chirurgisch gut zugängliche Mastzelltumore meist gutartig.

Topographische Verteilung von Lymphomen bei über 500 Katzen

multizentrische, lymphatische Form > 30 %

alimentäre Form < 30 %

mediastinale Form > 20 %

nierenassozierte Lymphome 6 %

Lymphome einzelner Lymphknoten 6 %

sonstige Formen ca. 8 %

4. Prognose und Therapie

Die Diagnose eines Tumors des hämatopoetischen Systems ist natürlich keine gute Nachricht. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist mit einer vorsichtigen Prognose zu rechnen. Es gibt aber teilweise erhebliche Unterschiede im Grad der Malignität, und längst nicht jeder Tumor ist als hochmaligne mit aussichtsloser Prognose einzuschätzen. Je lokaler die Veränderung auftritt, um so günstiger ist dies für den Verlauf zu bewerten. Solide, eventuell operable Veränderungen könne sogar ohne Chemotherapie behandelt werden. Als besonders ungünstig sind die akuten Tumoren von Knochenmarkszellen zu bewerten. Bei einer akuten lymphoblastischen Leukämie mit Leukozytosen von über 100.000/µl sind Therapieversuche meist nicht erfolgreich.

Als Gegenbeispiel kann z.B. die alimentäre Leukose gelten. Es gibt Studien, nach denen etwa 1/3 der Tiere nach Chemotherapie eine vollständige Remission erreichten.

Als Therapie werden in der Regel Kombinationen von Zytostatika, Mitosehemmern und Corticosteroiden empfohlen, wobei ständige Kontrollen des Blutbildes erforderlich sind. Die Dosierung ist individuell einzustellen, zumal lebenslängliche Therapien nötig sein können.

Eine ätiologische Therapie der FeLV-Infektion ist unter Praxisbedingungen nicht bekannt. Mittels verschiedener experimenteller Ansätze war es möglich eine Virämie zu verhindern oder zu unterbrechen. Zum Beispiel gelang es mit dem aus der AIDS-Therapie bei Menschen bekannten Azidothymidins eine Virämie bei Katzen kurz nach der FeLV-Infektion zu verhindern.

Quelle: www.laboklin.de

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