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Home / Fachabteilungen /  Dermatologie /  Wichtige Hauterkrankungen von A - Z /  Sarcoptesräude. 26.05.2016

Wo kommen Sarcoptesmilben her und wie werden sie übertragen?

Die Hauptwirte der Sarcoptesmilbe sind neben Hunden auch Füchse und Marder, in Alpenländern auch Gamswild.

Übertragen werden die Milben entweder über direkten Kontakt mit einem befallenen Tier oder indirekt über die Umgebung.

Wildtiere (Füchse und Marder) leiden oft unter einer Sonderform der Sarcoptesräude mit starker Krustenbildung v.a. an den Ohren. Diese Krusten beherbergen zahlreiche Milben und bieten ihnen hervorragenden Schutz.

Werden sie abgekratzt oder ?geschüttelt, verbleiben über Tage hinweg ansteckungsfähige Milben in der Umgebung. Die indirekte Ansteckung von Hunden auf diesem Weg scheint zunehmend an Bedeutung zu gewinnen.

Wo leben Sarcoptesmilben?

Sarcoptesmilben leben auf der Hautoberfläche und innerhalb der obersten Schichten der Epidermis, wo die weiblichen Tiere ?Pseudotunnel? graben, in die sie ihre Eier ablegen. Aus diesen entwickeln sich innerhalb von 17 - 21 Tagen über Larven- und Nymphenstadium wieder erwachsene Milben.

Der gesamte Entwicklungszyklus spielt sich auf dem Wirtstier ab, aber auch außerhalb des Wirtes können die Milben relativ lange überleben (bis zu 19 Tagen).




Wie sieht eine Sarcoptesräude aus?

?Klassisch? für Sarcoptesräude ist hochgradiger Juckreiz ? er ist mit kaum einer anderen Hauterkrankung zu vergleichen. Er bleibt ganzjährig unverändert stark und zeigt ein typisches Verteilungsmuster: Zuerst und am stärksten sind Ohrmuscheln, Gliedmaßen (v.a. Ellenbogen und Sprunggelenke) und Bauch betroffen, dann der Kopf und zuletzt der Rückenbereich. Sehr schnell folgen bakterielle Entzündungen, Krusten, Haarverlust und schließlich oft enorme chronische Veränderungen mit Verdickung und Schwarzfärbung der Haut (?Elefantenhaut?). Zusätzlich treten Gewichtsverlust, Ruhelosigkeit und mitunter Wesensveränderungen (Aggressivität!) auf.




Typisch für Sarcoptesräude ist eine Verstärkung des Juckreizes nachts und in warmer Umgebung ? im Gegensatz zu Allergien etwa, bei denen Juckreiz in der Nacht eher ungewöhnlich ist. Die betroffenen Hunde sind ?unkonzentriert? oder ?ungehorsam? und kratzen sich selbst im Behandlungsraum des Tierarztes (ein Symptom, das nur bei ganz wenigen anderen Erkrankungen beobachtet wird!).




Wer kann sich anstecken?

Meist sind auch andere Kontakttiere (v.a. Hunde) und/oder Menschen (v.a. Kinder) Opfer der ansteckenden Milben. Menschen zeigen stark juckende Papeln (wie ?Mückenstiche?) in Bereichen mit dünner Haut, die mit dem Hund in Berührung kommen, also vorwiegend an Unterarmen, Beinen, Brustbereich und Bauch.

Sie klingen i.d.R. nach einigen Tagen spontan ab und treten an anderen Stellen erneut auf (da der Mensch nur Fehlwirt ist und die Milben sich auf ihm nicht weiterentwickeln können, sterben sie ab. Solange der Überträger aber nicht behandelt wird, kommt es immer wieder zu Neuansteckungen).

Wie werden Sarcoptesmilben nachgewiesen?

Da schon wenige Milben aufgrund einer allergischen Reaktion des Wirtstieres zu enormem Juckreiz führen können, gestaltet sich ihr Direktnachweis mitunter schwierig. Er wird durch die mikroskopische Untersuchung von zahlreichen Hautgeschabseln erstellt.

Der indirekte Milbennachweis kann über eine Blutuntersuchung (Messen von Sarcoptes-spezifischen Antikörpern) erfolgen, deren Ergebnis aber kritisch interpretiert werden muß: Diese Untersuchungsmethode setzt voraus, daß die Ansteckung mindestens 2-4 Wochen zurückliegt, ehe Antikörper messbar sind.

Ein positives Testergebnis bedeutet nicht zwangsläufig eine aktuelle Ansteckung, da der Titer auch nach Abtöten der Milben noch über viele Monate hinweg positiv bleibt.

Schätzungsweise 5-10% der Hunde mit Sarcoptesräude bilden auch bei Milbenbefall keine Antikörper, so dass ein negativer Befund nicht automatisch eine Sarcoptesräude ausschließt.

Auch ?Blut-Allergie-Tests? bei Hunden mit Sarcoptesräude sind häufig falsch-positiv. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, sollte eine Sarcoptesräude daher vor der Durchführung eines jeden Allergietests sicher ausgeschlossen sein!!

Wie werden die Milben behandelt? (gilt auch für Cheyletiellen)

Da Sarcoptes- und Cheyletiella-Milben unter günstigen Umständen auch außerhalb ihres Wirtstieres überleben können und hochansteckend sind, ist dringend zu empfehlen, neben dem erkrankten Tier alle empfänglichen Kontakttiere und die Umgebung konsequent zu behandeln.

Da niemals mit einer Behandlung sämtliche Jugendformen der Milben mit abgetötet werden, muß die Behandlung mehrfach wiederholt werden, bis alle Milben eradiziert sind, was mindestens 6-8 Wochen in Anspruch nimmt.

Erkrankte Hunde und Kontakttiere können äußerlich oder systemisch behandelt werden. Verschiedene Wirkstoffe meist in Shampooform sind gegen die genannten Milben wirksam.

Damit sie abgetötet werden, muß der Wirkstoff sie auch tatsächlich in ihren Lebensräumen erreichen, so dass Hunde mit sehr dichtem oder langem Fell unter Umständen vor Therapiebeginn geschoren und stark krustöse Hautveränderungen vorher vorsichtig freigebadet werden müssen.

Natürlich muß auch der ganze Körper, also auch Kopf und Ohren, konsequent behandelt werden, was bei manchen Tieren kaum möglich ist. Die Waschbehandlungen werden mindestens 6x im Abstand von 7-10 Tagen durchgeführt.

Hochwirksam und bequemer in der Anwendung gegen Sarcoptesmilben und Cheyletiellen ist die systemische Behandlung mit Avermectinen je nach Wirkstoff alle 7-21 Tage über etwa 6 Wochen.

Wie wird die Umgebung behandelt?

Besonders günstig für das Überleben von Milben außerhalb des Wirtstieres ist eine kalte und feuchte Umgebung, während Wärme und Trockenheit schnell zum Absterben führen. Zur Behandlung der Umgebung ist neben Kehren, Putzen, Staubsaugen etc. die Anwendung eines Kontaktinsektizides ratsam.

Die gesamte Umgebung des Tieres muß konsequent behandelt werden, also Haus bzw. Wohnung oder Zwinger, Transportkäfige, Auto, Pflegeutensilien etc. Die Umgebungsbehandlung sollte über die gesamte Therapiedauer, mindestens aber 30 Tage, durchgeführt werden. Ist dies zu aufwendig, kann auch in solchen Bereichen auf eine Behandlung verzichtet werden, wo gewährleistet werden kann, daß für mindestens drei Wochen weder der betroffene Hund noch andere empfängliche Tiere Zugang haben.

Müssen andere Tiere auch behandelt werden?

Neben Hunden sind für Sarcoptesmilben v.a. Katzen, Frettchen und Meerschweinchen empfänglich, für Cheyletiellen auch noch Kaninchen. Sie sollten daher grundsätzlich mitbehandelt werden, auch wenn sie keine Symptome zeigen (Gefahr von asymptomatischen Carriern).



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