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Home / Fachabteilungen /  Dermatologie /  Wichtige Hauterkrankungen von A - Z /  Pilzinfektionen. 31.08.2016

Welche Erreger werden bei Hautpilzerkrankungen am häufigsten nachgewiesen?
Wo leben sie?


Die häufigsten Erreger bei Hunden und Katzen sind zoophile Dermatophyten: Mit Abstand der häufigste ist Microsporum canis (Katze in bis zu 98%, Hund etwa 70% der Fälle), seltener Trichophyton mentagrophytes (zoophil) und Microsporum gypseum (geophil). M. canis hat als Reservoir v.a. Katzen (die sehr oft asymptomatische Überträger sind), T. mentagrophytes Nagetiere (Mäuse, aber auch Zwergkaninchen und Meerschweinchen, unter denen es auch viele asymptomatische Überträger gibt). M. gypseum dagegen ist geophil, d.h. sein Reservoir ist der Boden.

Wo und wie kann man sich anstecken?

Die Infektion erfolgt über den direkten Kontakt mit infektiösen Pilzsporen, also auf folgenden Wegen:

1. Über direkten Kontakt mit einem sichtbar infiziertem Tier oder mit einem asymptomatischem Überträger (Langhaarkatzen!)

2. Über Kontakt mit der infizierten Umgebung und über Vektoren (auch Kämme, Bürsten, Liegeplätze, Transportkörbe etc. . Auch der Besuch bei Tierhaltern mit einem infizierten Tier bzw. einem asymptomatischen Überträger kann eine Infektion zur Folge haben.

Führt jeder Kontakt mit Pilzsporen zwangsläufig zu einer Infektion? Welche Faktoren begünstigen sie?

Nicht jeder Kontakt mit Dermatophyten führt auch zwangsläufig zu einer Infektion des betroffenen Tieres. Es gibt zahlreiche spezifische und unspezifische Abwehrmechanismen des Körpers, die eine Infektion verhindern sollen.
Verschiedene Faktoren hingegen prädisponieren eindeutig für eine Dermatophytose:

1. Intensiver oder wiederholter Kontakt mit anderen, potentiell infizierten Tieren, v.a. Katzen: Besonders gefährdet sind Langhaarkatzen, die Ausstellungen besuchen ? nach verschiedenen Untersuchungen können bis zu 35 % der Tiere dort asymptomatische Überträger sein. Zudem kann der Streß dort natürlich zusätzlich eine Infektion begünstigen.

2. Alter (gefährdet sind v.a. sehr junge und alte Katzen)

3. Alles, was das Immunsystem schwächt:
a. Andere Erkrankungen, Verwurmungen, Parasiten, Fütterungs- und Haltungsmängel (schlechte Belüftung, wenig Sonne und frische Luft beispielsweise in Zuchtbetrieben), Streß (zu dichte Belegung, Besitzerwechsel etc.)
b. Manche Medikamente (v.a. Zytostatika, Corticoide).
c. Infektionskrankheiten, die zu einer Verminderung der zellvermittelten Immunität führen, v.a. Leukose, FIV, FIP.

Die gezielte Suche nach solchen Faktoren und deren Korrektur, soweit möglich, können die Therapiedauer erheblich verkürzen kann.
Ist ein Tier hingegen FIV- oder FeLV-positiv, hat dies Konsequenzen im Hinblick auf Prognose und Auswahl der Medikamente (Griseofulvin!), auch wenn die Virusinfektion selbst nicht heilbar ist.

Wie läuft eine Pilzinfektion ab?

Voraussetzung ist der Kontakt zwischen den Pilzsporen und Hautzelllen bzw. Haaren. Frühstens 2 Stunden nach dem Kontakt keimen die Sporen aus, es bildet sich ein filament, das in die verhornte äußerste Hautschicht und in die Haarbalgöffnung eindringt und in Richtung Haarwurzel weiterwächst.

Ermöglicht wird dies durch spezifische Enzyme, die Keratinasen, die die Haarrinde auflösen und den Pilzhyphen ermöglichen, auf und im Haar weiter vorzudringen. Wächst das Haar weiter, können die Hyphen bis zur inneren Wurzelscheide vordringen und dort Sporen bilden. Dermatophyten dringen nicht tiefer vor als bis dorthin. Dermatophyten dringen nicht tiefer vor als bis dorthin. Kommt das Haar in die telogene Phase, stoppt die Infektion ? eine kontinuierliche Invasion ist nur möglich, solange das Haar wächst.

Wie sieht eine Pilzinfektion aus?

Entsprechend dem Ablauf der Infektion ist bei einer ?klassischen? Dermatophytose mit einer Schädigung der betroffenen Haare (Abbrechen, Haarausfall), Schuppen- oder Krustenbildung, zentrifugale Entzündungsreaktion mit zentral beginnender Abheilung und schwarzer Pigmentierung. Diese ?klassischen? Veränderungen sind meist rund, oft multifokal und haben einen Durchmesser von ca. 1-4 cm. Möglich sind eine Generalisierung der Läsionen, die Beschränkung auf nur 1 Körperteil oder unregelmäßige, diffuse Veränderungen.

Wesentlich häufiger auftretend als Ursache einer Follikulitis und per Blick nicht zu unterscheiden sind allerdings die wichtigsten Differentialdiagnosen Demodikose und bakterielle Follikulitis, so dass man sich auch in scheinbar eindeutigen Fällen vor Blickdiagnosen hüten sollte.

Andere seltenere Manifestationen einer Hautpilzinfektion sind das sogenannte Kerion (ein lokalisierter, knotenartiger, entzündeter Bereich v.a. an Nase und Pfoten beim Hund), eine Onychomykose (Pilzinfektion der Krallen), Pseudomyzetome (Fremdkörperreaktionen auf Bruchstücke durch die Pilzinfektion zerstörter Haarbälge) und die Symptome der ?miliaren Dermatitis? und der ?felinen selbstinduzierten Alopezie? bei der Katze. Asymptomatische Überträger sind gerade bei Katzen häufig.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Beliebt ist die allgemein bekannte Untersuchung mit der Wood´schen Lampe. Im positiven Fall wird eine apfelgrüne Fluoreszenz des Haarschaftes, nicht von Schuppen, gesehen. Diese Reaktion zeigen aber nur einige Stämme von Microsporum canis, so dass eine negatives Ergebnis niemals eine Pilzinfektion ausschließt. Zudem gibt es zahlreiche Fehlerquellen wie falsch-positive oder falsch-negative Reaktionen durch Salben, Shampoos etc., so dass diese Untersuchung nur bedingt zu empfehlen ist.

Die mikroskopische Untersuchung von Haaren zum Nachweis von Pilzsporen ist ebenfalls möglich, bedarf aber einer gewissen Erfahrung. Ungeübte können sehr leicht Arthrosporen mit Pigmentgranula oder Fettkügelchen verwechseln!

Als sicherste Nachweismethode gilt der kulturelle Nachweis mit Differenzierung, der entweder im praxiseigenen Labor oder im Fremdlabor durchgeführt wird (-> s. Pilzkultur).

Der Nachweis von Dermatophyten in Gewebeproben gelingt trotz Spezialfärbung (PAS, Gomorri-Silberimprägnation) nicht in allen Fällen. Er stellt die beste Diagnostik bei den Sonderformen Kerion und Pseudomyzetom dar.

Warum sollte eine Pilzinfektion behandelt werden, auch wenn es Selbstheilungen gibt?

Selbstheilungen von einzelnen, lokalisierten Hautveränderungen bei Dermatophytosen sind bei gesunden, nicht immunsupprimierten Tieren rel. häufig, aber dauern verhältnismäßig lange: bei gesunden Hunden und kurzhaarigen Katzen i.d.R. mindestens 4 Monate, bei Langhaarkatzen 1,5 bis 4 Jahre.

Da der Verlauf einer Dermatophytose nicht-vorhersehbar ist und von den betroffenen Tieren und der infizierten Umgebung ein erhebliches Infektionsrisiko auch für den Menschen ausgeht, sollten Dermatophytosen grundsätzlich therapiert werden.

Wie wird eine Pilzinfektion behandelt?

Die Therapie der Dermatophytosen verfolgt das Ziel, die Infektion mit einem pathogenen, ansteckenden Erreger zu bekämpfen, diesen komplett zu eliminieren und Neuansteckungen zu vermeiden.

Die effektive Therapie von Dermatophytosen verfolgt 3 Ziele:

1. Beseitigung der infektiösen Haare und Schuppen und Reduktion der Verteilung in der Umgebung:
(-> Topische Therapie und Kürzen der Haare v.a. bei langhaarigen Tieren).

2. Schnellstmögliches Beenden der Infektion am betroffenen Tier selbst (-> Systemische Therapie mit pilzwirksamen Tabletten).

3. Verhinderung der Reinfektion des betroffenen und der Infektion anderer Tiere (und Menschen): (-> Umgebungsbehandlung).


Wie wird die topische Therapie durchgeführt?

Die reine ?spot-on?-Behandlung mit Salben oder Creme als alleinige Therapie ist nicht zu empfehlen: Die Pilzsporen, die sich auch an entfernteren Stellen im Fell befinden, werden mit dieser Behandlungsmethode nicht erreicht und so dem Auftreten neuer Veränderungen natürlich nicht vorgebeugt.

Die weitere Kontamination der Umgebung wird nicht verhindert, und die Gefahr einer Reinfektion und der Infektion anderer Mitbewohner des Haushalts besteht weiter, selbst wenn die ursprüngliche Veränderung abgeheilt ist.

Sinnvoller und gebräuchlicher sind Tauchbäder (nach Kürzen der Haare auf 2-3 mm) mit geeigneten, pilzwirksamen Mitteln, die alle 5-7 Tage angewendet werden.

Entgegen der früher gebräuchlichen Methode werden die Patienten aus mehreren Gründen heute nicht mehr komplett geschoren (Verschleppen der Sporen, Setzen von Mikrotraumata, Streß durch Scheren oder durch Sedation, problematische Dekontamination der Praxisräume und der Schermaschine etc.).

Was ist bei der Auswahl der Tabletten zu beachten?

Die Auswahl des Präparats zur systemischen Therapie muß auf den jeweiligen Einzelfall abgestimmt werden. Wichtig sind neben den bekannten potentiellen Unverträglichkeiten auch Lebens- und Freßgewohnheiten des Patienten (Muß der Patient nüchtern sein? Hat das Medikament einen starken Eigengeruch?) und die praktische Durchführbarkeit zuhause (Sind eine oder mehrere Tagesdosen erforderlich?) berücksichtigt werden, zumal sich die Behandlung in den meisten Fällen über einen längeren Zeitraum (Wochen bis Monate) erstrecken wird. Auch die Durchführbarkeit von Kontrolluntersuchungen wie beispielsweise Blutbild- oder Leberwertkontrollen sind zu beachten.

Sehr unleidliche Katzen, für die eine Blutentnahme z.B. enormen Streß oder gar Narkose bedeutet, sollten möglichst nicht mit Präparaten behandelt werden, bei denen diese Untersuchungen in kurzen Intervallen empfohlen werden (beispielsweise Langhaarkatzen unter Griseofulvin).

Grundsätzlich sollte vor jeder Therapie eine Blutuntersuchung auf FeLV (Leukose) und FIV (?Katzen-AIDS?) erfolgen, da bei diesen Virusinfektionen bestimmte Nebenwirkungen bzw. Unverträglichkeiten verschiedener Präparate häufiger auftreten.

Wie werden asymptomatische Carrier und Kontakttiere behandelt?

Auch asymptomatische Carrier tragen nicht selten zu Reinfektionen des klinisch erkrankten Tieres bei, wenn sie nicht mitbehandelt werden. In Haushalten mit mehreren empfänglichen Tieren und in Katzenzuchten gilt, daß ein mit M. canis infiziertes Tier mit fast 100%iger Sicherheit die Infektion aller anderen Tiere bedeutet. Werden hingegen andere Dermatophyten nachgewiesen (M. gypseum, T. mentagrophytes), liegt die Infektionsrate bei den übrigen Tiere meist niedriger.

Sämtliche empfänglichen Tiere desselben Haushalts sollten bei Nachweis von M. canis als infiziert angesehen und therapiert werden, um die aufwendigen und erfahrungsgemäß immer unvollständig durchgeführten Separationsmaßnahmen zu vermeiden.

Wie werden die infektiösen Pilzsporen in der Umgebung abgetötet?

Die Dekontamination der Umgebung ist ein essentieller Bestandteil der Therapie, stellt diese doch die wichtigste Quelle für Reinfektionen dar. Da die Pilzsporen v.a. von Microsporum canis unter günstigen Bedingungen jahrelang in der Umgebung infektionsfähig bleiben können, gestaltet sich die Umgebungsbehandlung v.a. in Haushalten mit mehreren Tieren oder gar in Katzenzuchten enorm schwierig, zeit- und kostenaufwendig.

Folgendes Procedere hat sich sehr gut bewährt:

1. Entfernung sämtlicher als infektiös geltenden Gegenstände der Umgebung und Dekontamination:
Sämtliche Spielzeuge, Kratzbäume, Pflegeutensilien, Näpfe, Körbchen etc. sollten mit antimykotisch wirkender Seife (z.B. PVP-Iod-Seife wie Betaisodona) abgewaschen, abgespült und anschließend für mindestens 10 Minuten in eine geeignete fungizide Lösung eingelegt werden. Ist dies nicht möglich oder zu aufwendig, sollten die Gegenstände vernichtet werden. Decken u.ä. sollten so heiß wie möglich in der Waschmaschine gewaschen werden und danach gleichfalls in eine dieser Lösungen eingelegt, ansonsten vernichtet werden. Probleme bereitet mitunter die Behandlung von Futter- und Wassernäpfen. Bewährt hat sich, die Näpfe während der gesamten Therapiedauer durch Papp- oder Plastikteller zu ersetzen, die jeweils nach Gebrauch entsorgt werden.

2. Behandlung sämtlicher Oberflächen:
Diese sollten als nächstes sorgfältig abgesaugt werden (Staubsaugerbeutel verbrennen oder mit einer der genannten Lösungen tränken!), um möglichst viele Haare und Schuppen zu entfernen, und anschließend ebenfalls mit geeigneten fungiziden Lösungen abgewaschen werden. Dampfstrahler können verwendet werden, falls die Temperatur auf der Oberfläche der behandelten Fläche (nicht bei Austritt aus dem Gerät!) mindestens 43°C beträgt, was bei vielen Geräten nicht der Fall ist.

Alle Tiere sollten vor der Behandlung aus dem Raum entfernt werden und erst dann wieder Zugang erhalten, wenn sämtliche Oberflächen komplett getrocknet und der Raum ausgiebig gelüftet worden ist.
Auch sollten die Räume nacheinander dekontaminiert werden, nicht alle gleichzeitig. Sämtliche Aquarien, Terrarien und Vogelkäfige sollten wenn irgend möglich während der gesamten Therapie aus diesen Räumen entfernt werden.

Diese Maßnahmen sollten möglichst alle 2 Wochen wiederholt werden, solange auch die Tiere therapiert werden. Um den erforderlichen enormen Aufwand zu reduzieren, können auch sämtliche ?entbehrlichen? Gegenstände, die einmal korrekt behandelt worden sind (Transportkäfige, Spielzeug, Kratzbäume) in einen geeigneten Raum, zu dem die Tiere keinen Zugang haben, gelagert werden.

Wie wirksam sind Dampfstrahler?

Häufig wird die Behandlung der Umgebung mit Dampfstrahlern empfohlen. Diese sind nur dann wirksam, wenn die von ihnen erreichte Temperatur auf der Teppichoberfläche noch mehr als 40°C beträgt, was bei ?normalen? Dampfstrahlern meist nicht der Fall ist. Empfehlenswert ist ihre Verwendung mit Zusatz eines fungiziden Mittels. Dessen Wirkung auf Möbel und Textilien sollte unbedingt an verdeckten Stellen geprüft werden, bevor der gesamte Haushalt behandelt wird. Gleichfalls sehr effektiv, wegen der z.T. gravierenden Nebenwirkungen aber nicht mehr ratsam ist die Umgebungsbehandlung mit Formaldehyd-Präparaten.

Nach einer umfangreichen Untersuchung der University of Wisconsin sind die meisten kommerziell erhältlichen, als pilzwirksam deklarierten Mittel für diese Umgebungsbehandlung ungeeignet.

Wie lange wird behandelt?

Die Behandlung aller Tiere und der Umgebung sollte so lange durchgeführt werden, bis die Kontrolluntersuchungen bei sämtlichen Tieren mindestens 2x im Abstand von 2 Wochen negativ waren.

Gibt es Impfungen gegen Pilzinfektionen?

Vakzinen sollen sowohl den Verlauf der Erkrankung verkürzen, als auch vor erneuten Infektionen schützen, und können als zusätzliche Maßnahme in entsprechenden Problembeständen durchaus hilfreich sein. Da allerdings auch vakzinierte Tiere Kultur-positiv und damit Überträger bleiben können, erspart eine Vakzinierung die Umgebungsbehandlung i.d.R. nicht, verhindert also auch nicht die Infektion von Menschen oder das Einschleppen infektiöser Sporen beispielsweise nach einem Ausstellungsbesuch. Entschließt man sich zu einer Vakzinierung, sollte diese auch korrekt durchgeführt werden, d.h. alle empfänglichen Kontakttiere sollten gleichzeitig behandelt und keinesfalls auf die empfohlene Boosterinjektion verzichtet werden.



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