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Home / Fachabteilungen /  Chirurgie/Orthopädie /  Narkoserisiko und Sicherheit. 29.09.2016

Narkoserisiko und Sicherheit

Allgemeine Informationen:
Für chirurgische Eingriffe ist in der Regel eine Narkose erforderlich. Wahrscheinlich werden Sie sich Sorgen um Ihr Tier machen. Daher möchten wir Ihnen im Vorfeld einige Informationen mit auf den Weg geben.

  • Das Narkoserisiko hat sich in den letzten Jahren erheblich vermindert. Die moderne Tiermedizin bietet dank neuer und schonenderer Narkosemittel und -verfahren ein hohes Maß an Sicherheit. Wir verwenden neue, gut erprobte Narkotika in auf das jeweilige Tier abgestimmter Kombination und Dosierung. Die Narkosetiefe ist damit steuerbar. In den meisten Fällen erwachen die Tiere nach dem Eingriff sanft. Lange Nachschlafphasen entfallen.

    Für länger dauernde, schwere Eingriffe werden wie in der Humanmedizin Inhalationsnarkosen durchgeführt. Der Einsatz von Isofluran als Narkosegas hilft, Belastungen für den Kreislauf und verschiedene Körperorgane, insbesondere Niere und Leber, zu reduzieren.

  • Vor der Narkoseeinleitung wird jedes Tier untersucht. Durch einen direkten Zugang zum Blutgefäßsystem (Venenverweilkatheter) können dann Beruhigungs- und Narkosemittel injiziert werden. Um Ihrem Tier ausreichend Sicherheit und Nähe zu geben, dürfen Sie bei der Narkoseeinleitung gerne dabei bleiben.

  • Während länger dauernder Narkosen werden Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur permanent überwacht. Ausserdem kontrolliert eine eingewiesene Assistenz fortlaufend die Konzentrationen von Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid und Narkosegas in der Ausatemluft.

  • Bei Eingriffen mit längerer Narkose wird dem Patienten während und nach der Operation Flüssigkeit über eine Dauertropfinfusion zugeführt. Dadurch können eventuelle Kreislauf-defizite ausgeglichen und die nötigen Medikamente bei Bedarf sofort intravenös verabreicht werden. Größere Blutungen und postoperative Infektionen sind selten und können in aller Regel sehr gut beherrscht werden.
    Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sind Zwischenfälle bei chirurgischen Eingriffen möglich. Sie sind jedoch selten.

  • Um eine kontinuierliche Überwachung des Patienten während und nach der Operation zu gewährleisten und optimale Ergebnisse zu erzielen, arbeiten wir mit größter Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Bitte haben Sie Verständnis, falls es bei späteren Terminen infolgedessen zu Wartezeiten kommen sollte. Wir wollen das beste für Ihr Tier!


    Was kann ich tun?

    Nutzen Sie die Möglichkeit, das Narkoserisiko durch eine Blutuntersuchung vorab abklären und vermindern zu lassen. Sicherlich kennen Sie dies aus der Humanmedizin: Vor einer OP wird, auch wenn es sich um einen Routineeingriff handelt, Blut abgenommen und untersucht. Dadurch kann sich der Anästhesist mit den Organfunktionen des Patienten vertraut machen und weiss im Vorfeld, ob bestimmte Probleme auftreten könnten und mit welchen Komplikationen gerechnet werden muss.

    Unsere Klinik verfügt über ein vollständiges Blutlabor, das es uns ermöglicht, Blut- und Serumwerte innerhalb weniger Minuten zu bestimmen. Bei älteren Patienten und Risikopatienten empfehlen wir vor der Operation außerdem eine EKG-Untersuchung zur Überprüfung bestimmter Herzfunktionen.

    Am Tag der Narkose sollte Ihr Tier nüchtern sein. Dies gilt nicht für Nager und Ziervögel! Wasser sollte allen Tieren die ganze Zeit über angeboten werden.

    Sollten Sie Veränderungen wie z. B. Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Einsetzen der Läufigkeit oder allgemeine Schwäche bei Ihrem Tier festgestellt haben, teilen Sie uns dies bitte mit. Ihr Tierarzt kann dann nach Untersuchung entscheiden, ob der Patient voll narkosefähig ist.

    Wenn Sie Fragen an uns haben, sprechen Sie uns bitte an, auch im Hinblick auf die zu erwartenden Kosten. Wir erstellen Ihnen gerne einen Kostenvoranschlag.

    Nach einer längerdauernden Narkose braucht Ihr Tier zu Hause Wärme, Ruhe und liebevolle Zuwendung. Befolgen Sie bitte die Anweisungen, die wir Ihnen nach der OP geben und melden Sie sich sofort und jederzeit, falls Sie Sorgen oder Fragen haben.

    Narkotika haben natürlich vor allem Einfluss auf die Funktion des Gehirns, gleichzeitig beeinflussen sie aber auch die Funktionen anderer Körperorgane , wie z. B. die Magen-Darm-Aktivität, Atmung, Kreislauf, Herzarbeit, Temperaturregulation u.a.

    Aufgrund der Beeinflussung lebenswichtiger Systeme, kann dies infolge unerwünschter Wirkungen im allerschlimmsten Fall zum Tod des Patienten führen. Dies wird im Allgemeinen unter dem Oberbegriff ?Narkoserisiko? bzw. ?Narkose-zwischenfall? beschrieben.

    Bei Mensch und Tier wirken unterschiedliche Narkotika in unterschiedlichem Maße auf die verschiedenen Strukturen ein, so dass durch den Einsatz moderner Mittel und duch die Kombination verschiedener Medikamente unerwünschte Wirkungen möglichst gering gehalten werden können.
    Anästhetika werden je nach Dauer und erforderlicher Narkosetiefe ausgewählt und sorgfältig auf den Patienten abgestimmt. Der Tierarzt kennt in der Regel seinen Patienten und die Risiken für jeden einzelnen. Daher gehören Narkosezwischenfälle zu den großen Ausnahmen!

    Natürlich können auch Sie als Patientenbesitzer einiges tun, um das Narkoserisiko zu vermindern: Ein wichtiger Punkt ist, dass ihr Tier 12 Stunden vor der geplanten OP nichts mehr fressen sollte. (Dies gilt allerdings nicht für Nager und Vögel). Der Grund liegt darin, dass es durch den Einfluss der Narkotika auf die Magen-Darm-Aktivität und den Gleichgewichtssinn in der Einschlafphase zum Erbrechen kommen kann. Damit Erbrochenes nicht in die Luftröhre gelangt, was zu Lungenentzündungen und im schlimmsten Fall zum Erstickungstod führen kann, sollte der Magen bei der Narkoseeinleitung leer sein.
    Somit ist ein Nahrungsentzug über 12 Stunden vor jeder geplanten Vollnarkose äußerst sinnvoll. Trinkwasser kann dagegen bis zum Klinikbesuch angeboten werden.

  • Trinkwasser und Nahrung können wieder angeboten werden, sobald das Tier völlig erwacht ist, also in der Regel am Tag nach dem Eingriff.

  • Bitte bringen Sie eine Decke, ein Handtuch oder etwas ähnliches mit, damit ihr Liebling mit dem gewohnten Geruch erwachen kann. Er sollte sich zu Hause bei Zimmertemperatur ausschlafen können. Kaninchen und Meerschweinchen sollten auch am Folgetag der Narkose bei adäquater Temperatur warm gehalten werden, da die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur durch die Narkose beeinflusst wird. Damit sich Ihr Tier bei Aufstehversuchen in der Aufwachphase nicht verletzt, sollten Sie es auf dem Boden auf eine Decke betten.

  • Die Narkosetiefe wird üblicherweise so gering wie möglich und so tief wie nötig bemessen. Die Dauer der Nachschlafphase hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • dem Gesundheitszustand: Natürlich verkraftet ein gesundes Tier eine Operation (z.B. eine Kastration)und die Narkose besser und schneller, als z.B. ein Patient, der wegen einem Fremdkörper im Darm oder einer Gebärmuttervereiterung operiert wird. Bei diesen Tieren liegen bereits Störungen des Organismus (wie z.B. Kreislauf-beschwerden, Infektionen) vor und das Narkoserisiko ist höher als bei gesunden Tieren.

  • Bei bestehenden Herz-, Leber- oder Nierenschäden, sowie anderen Organkrankheiten ist die Leistungsfähigkeit des Organismus ebenfalls eingeschränkt.
  • dem Alter: Ein junges Tier verstoff-wechselt Medikamente üblicherweise schneller als ältere Patienten.
  • Selbstverständlich sind nicht alle Tiere gleich. Es bestehen rassebedingte und individuelle Unterschiede gegenüber der Wirksam-keit von Medikamenten und somit auch gegenüber Narkosemitteln.

    So kommen in der Phase nach einer Vollnarkose zeitliche Unterschiede zustande. Diese können zwischen einigen Stunden bis zu drei Tagen liegen.

    Eine Besonderheit bei Hunden: Wenn die Narkose abflaut, können manche Tiere fürchterlich jaulen. Dies hat nicht mit Schmerzen zu tun! Wir nennen diese Patienten oftmals etwas flapsig ?Sänger?. Dieser Zustand kommt durch eine Art Rausch in der Nachwirkung von bestimmten Narkotika zustande und ist völlig harmlos, wenn auch für den Besitzer sehr nervtötend und oft auch schlafraubend, da er manchmal die halbe Nacht andauern kann.


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